Es ist wieder so weit. In der Natur regt es sich: Die Kräuter sprießen in saftig grünen Farbtönen mit frischer Kraft dem Licht entgegen und zeigen uns so den Beginn eines neuen Erntejahres an. Da viele dieser Pflanzen besondere und heilkräftige Wirkstoffe in sich bergen, macht es Sinn, einige von Ihnen zu konservieren. Damit stehen sie uns bei Bedarf auch in der kalten Jahreszeit bzw. ganzjährig zur Verfügung. Eine der gängigsten Konservierungsmethoden ist das Trocknen von Kräutern. Damit Du keine böse Überraschung mit verschimmelten Kräutern oder ähnlichem erlebst, nachfolgend einige Tipps, was bei der Ernte und beim Trocknen von Kräutern beachtet werden sollte.
Wo erntest Du Wildkräuter am besten?
Am einfachsten sind Wildkräuter im direkten Wohnumfeld: dem eigenen Garten, auf dem Balkon oder – nach Absprache – auf der Nachbarswiese bzw. dem Nachbarsgarten zu ernten. Wenn im Garten die ein oder andere „wilde Ecke“ sein darf, ist das zum einen wertvoll für die „Gartengesundheit“ und zum anderen ist der Tisch für Dich immer reich gedeckt. Im Garten macht sich sogar zwischen Kulturpflanzen manches Wildkraut (z.B. Vogelmiere) – in Maßen – recht gut. Das spart Arbeit und hält oftmals sogar den Boden feucht, worüber sich die angebauten Pflanzen freuen.
Falls das Ernten im eigenen Wohnumfeld nicht möglich ist, sind Wildkräuter auch auf städtischen Wiesen (in Dresden zum Beispiel auf den Elbwiesen), an Waldrändern, an trockenen Böschungen und entlang von Bachufern zu finden. Meiden solltest Du dabei allerdings Hundestrecken, viel genutzte (Picknick)Plätze und direkte Wegränder, die Nähe zu Feldern (da regelmäßig gespritzt wird) sowie Straßen und Bahngleisen. In vielen Kommunen ist Ernten auf städtischen Flächen ausdrücklich erlaubt. Wenn Du aufmerksam in der Natur unterwegs bist, wirst Du sicher so nach und nach immer wieder neue und schöne Sammelstellen – etwas abseits von Straßen, Bahngleisen, (Hunde)Wegen und Feldern – entdecken. Natürlich solltest Du Dich in jedem Fall achtsam auf den entsprechenden Flächen bewegen.
Was kann geerntet werden?
Ernte nur Pflanzen, die Du sicher bestimmen kannst. Wenn Du bei der Bestimmung unsicher bist, lass die Pflanzen stehen, frage jemanden, der sich auskennt oder bestimme die Pflanzen mittels Bestimmungsbuch oder Bestimmungsapp. Aber auch hier Vorsicht: So schön, wie diese Apps sind, die Angaben sind teilweise ungenau oder gar falsch. Je nach Entwicklungsstadium der Pflanze, ist eine Bestimmung nicht immer eindeutig möglich. Die Angaben sind ein erster und wertvoller Hinweis aber keine Garantie, dass es sich tatsächlich um die genannte Pflanze handelt.
Vielleicht nimmst Du an diversen Kräuterführungen oder -ausbildungen teil, damit Du im Umgang mit Wildkräutern Sicherheit erlangst. Auch ist es hilfreich, sich die Pflanzen über das Jahr immer wieder anzuschauen und so in jedem Entwicklungsstadium zu erleben und damit den Pflanzen „näher zu kommen“. Alternativ kannst Du Dich auch erst mal auf einige wenige bekannte Pflanzen beschränken. Gerade die bekannten Pflanzen wie z.B. Löwenzahn, Gänseblümchen und Brennnessel sind äußerst wertvoll und können vielseitig verwendet werden.
Geschützte Pflanzen müssen unbedingt stehen bleiben. Informiere Dich bitte vor dem Ernten, ob die Pflanze ggf. unter Schutz steht.
Wie erntet man?
Außerhalb Deines Gartens solltest Du immer nur so viel ernten, wie Du für Deinen Eigenbedarf brauchst. Auch getrocknet sind Pflanzen nicht unbegrenzt haltbar. Daher lieber jedes Jahr kleine Mengen ernten und verarbeiten und nicht Riesen-Vorratslager anlegen. Bei der Ernte bitte immer darauf achten, dass erstens genügend Pflanzen von der gewünschten Art vorhanden sind und zweitens nur so viel geerntet wird, dass der Pflanze genügend Reserven für ihr weiteres Wachstum und ihre Vermehrung bleiben.
In Deutschland gilt nach dem Bundesnaturschutzgesetz die sogenannte Handstraußregel. Sie besagt, dass man „… Tee- und Heilkräuter wild lebender Pflanzen aus der Natur an Stellen, die keinem Betretungsverbot unterliegen, in geringen Mengen für den persönlichen Bedarf pfleglich entnehmen darf.“
Gesammelt werden nur gesunde und unversehrte Pflanzenteile. Schau Dir beim Sammeln jedes Blatt, jede Blüte usw. genau an und knipse sie mit der Hand ab. Bei groben Stängeln solltest Du eine Schere benutzen.
Für den Transport der Pflanzenteile eigenen sich Körbe, Papiertüten oder Stoffbeutel. In Plastiktüten schwitzen die Kräuter und die Zersetzung von Eiweißen wird gefördert. Sie eigenen sich daher weniger. Lediglich wenn kleine Mengen für den Frischverzehr geerntet werden, sind sie ebenso wie Glasbehälter/Brotdosen praktisch, da hier eine „Feuchthaltung“ gewünscht ist. Sie sollten aber auch darin nur eine kurze Zeit für den Transport verbringen.
Wann ist der beste Erntezeitpunkt?
Da wir Kräuter mit vielen wertvollen Inhaltsstoffen ernten wollen, spielt der Erntezeitpunkt eine große Rolle. Der Gehalt an heilkräftigen Stoffen in den Pflanzen schwankt erfahrungsgemäß nicht unerheblich. Nach längeren Regenperioden solltest Du bis zur Ernte einige Tage Sonnenschein abwarten, damit der Wirkstoffgehalt in den Pflanzen wieder höher konzentriert werden kann. Ebenso sind längere und extreme Trocken-Phasen ungünstig für die Ernte, da auch in dieser Zeit die Wirkstoffe reduziert sind.
Am meisten Geschmack (und Inhalt) haben Kräuter und Blüten, wenn sie bei trockenem, sonnigem Wetter geerntet werden. Ganz allgemein ist der späte Vormittag – nachdem der Tau abgetrocknet ist – eine gute Erntezeit für viele Pflanzen(teile).
Tipps zum Trocknen
Um die Inhaltsstoffe optimal zu erhalten, sollte auf das Waschen der Kräuter nach der Ernte verzichtet werden. Werden die Kräuter sauber und einzeln geerntet, können sie gut ohne vorheriges Waschen getrocknet werden. Große Blätter und Blüten werden nach der Ernte von den Stängeln abgestreift. Kleine Pflanzenteile werden mitsamt den Stängeln getrocknet. Die Ernte wird dabei locker und mit guter Belüftungsmöglichkeit (auch von unten) auf Tüchern und flachen Sieben (oder dem Wäscheständer) ausgebreitet. Die Belüftung von unten ist wichtig, damit die Ernte schnell trocknen kann. Die Trocknung sollte in einem warmen Raum ohne direkte Sonneneinstrahlung (auf die Kräuter) erfolgen und die Trocknungstemperatur 35°C bis 40°C nicht übersteigen.
Daher ist eine Trocknung im Backofen nicht uneingeschränkt empfehlenswert. Die Temperaturen dort sind in der Regel nicht so genau einstellbar und kontrollierbar. Günstiger ist es in einem Trockenapparat (Dörrautomat). Wenn viele Kräuter oder auch Früchte etc. anfallen und die häuslichen (Trocken)Bedingungen nicht so optimal sind, kann sich die Anschaffung eines solchen Gerätes durchaus lohnen.
Die getrockneten Kräuter und Blüten bitte nicht weiter zerkleinern, sondern so „groß wie möglich“ aufbewahren. Nur so halten Aroma und Wirkstoffe über längere Zeit gut. Bei der weiteren Zerkleinerung würden große Oberflächen und damit große Oxidationsflächen geschaffen, die für einen schnellen Verlust der Wirkstoffe sorgen.
Zur Aufbewahrung des Trockenguts eigenen sich lebensmitteltaugliche Papiertüten, Stoffbeutel, Holzkistchen oder Kartons. Bei der Aufbewahrung in Gläsern muss unbedingt sichergestellt sein, dass die Kräuter und Blüten als auch Gläser absolut trocken sind. Das ist zum Beispiel bei ganzen Blütenköpfchen nicht immer gleich eindeutig zu erkennen und daher kann es unter Umständen zu einer späteren Schimmelbildung kommen.
Generell ist aber eine Aufbewahrung – unter Beachtung der richtigen Trocknung – in Gläsern gut möglich. Das Trockengut sollte rascheln, wenn es angefasst wird. Eine Trocknung bei Zimmertemperatur dauert bei Blüten und Blättern in der Regel nur 3-4 Tage. Während des Trocknungsprozesses sollte das Trockengut täglich gewendet werden, damit eine gleichmäßige Trocknung gewährleistet wird.
Die Lagerung der Kräuter sollte dunkel und natürlich trocken sein.
Verwendungsmöglichkeiten
Die getrockneten Kräuter eignen sich gut für Tee mit einzelnen Kräutern und für Teemischungen. Hier darfst Du Deine Lieblingsmischungen kreieren oder je nach Befindlichkeit einzelne (Heil)Tee-Anwendungen zelebrieren.
Getrocknete Kräuter sind auch als Würzmischung in der Küche hilfreich oder gemischt mit Salz als wunderbares Wildkräutersalz. Für eine Würzmischung nimmst Du eine Handvoll getrocknete Kräuter – z.B. Giersch, Schafgarbe, Bärwurz, Dost – und mörserst die Kräuter zu einem Pulver. Damit kannst Du Dir den Sommergeschmack und die Heilkraft der Kräuter in die Suppe, den Eintopf oder das winterliche Gemüse holen. Die wilden Kräuter können dafür auch gut mit Kulturkräutern wie Thymian, Basilikum usw. kombiniert oder ergänzt werden.
Auch eine Sommerblütenmischung eignet sich gut für eine buntes Salat- oder Quarkgewürz.
Und nicht zuletzt eigenen sich getrocknete Kräuter ausgezeichnet für ein kleines Duftsäckchen, welches beim Einschlafen hilft oder in stressigen Momenten.
Ich wünsche Dir viel Freude mit den grünen Wilden in dieser Kräutersaison!