Portulak 4

Wertvolles Grün zwischen Pflastersteinen

Ordnung muss sein. So denken wir und vertreiben ärgerlich das lästige Grün, welches sich auf Wegen, zwischen Pflastersteinen, Terrassenplatten und in Mauern und Ritzen breit macht. So mancher Grundstücksbesitzer kann „ein Lied davon singen“. Aber muss Ordnung wirklich um jeden Preis sein? Hast Du Dir die Pflanzen schon mal genauer angeschaut, die da allen Widrigkeiten des Lebens trotzen und sich auf solch unwirtlichen Gebieten behaupten? Sie werden getreten, ausgerissen, abgeflammt, als Hundeklo benutzt und müssen Hitze & Regengüssen standhalten. Zum Glück sind diese Pflanzen nicht nachtragend und treiben zuverlässig nach solchen „Behandlungen“ wieder aus. Die Natur weiß eben, was gut für uns ist.

Ökologisch gesehen macht solch wilde Begrünung durchaus Sinn. So heizen sich im Hochsommer Steine und versiegelte Flächen ordentlich auf. Da wird barfuß laufen zur Tortur. Schaffen es Pflanzen, sich trotzdem dort zu behaupten, halten sie die Temperatur dieser (Beton)Flächen deutlich kühler. Selbst in Kopfhöhe ist bei solchen „begrünten Flächen“ noch ein Temperaturunterschied von 2-3 Grad (kühler) nachweisbar, wie es der spanische Architekt Àngel Panero in Santiago de Compostela gemessen hat. Gleichzeitig halten diese Pflanzen das Wasser bei Starkregen auf, speichern es für sich und sorgen dafür, dass Fugen und Spalten nicht ausgespült werden. Sie sind damit in vielerlei Hinsicht außerordentlich wertvoll. Und noch dazu sind viele dieser starken Wildpflanzen essbar – zum Beispiel Portulak, Breitwegerich oder Vogelknöterich, um nur einige zu nennen.

Portulak: Seine jungen fleischigen Blätter schmecken leicht säuerlich und sind sehr zart und saftig. Sie bereichern vor der Blütezeit roh diverse Salate oder Kräuterdips. Sie können allerdings auch gekocht werden und z.B. Suppen oder Spinat verfeinern. Das Kraut hat dabei eine leicht andickende Wirkung. Portulak enthält mehr Vitamin C als Kopfsalat, verschiedene Mineralien (vor allem Magnesium, Calcium, Kalium und Eisen), Schleim- und Bitterstoffe und er hat von allen Salatkräutern den höchsten Omega-3-Fettsäure-Gehalt. In der Volksheilkunde wurde er bei Sodbrennen und zur Blutreinigung genutzt. Außerdem wirkt er fiebersenkend, harntreibend und stoffwechselanregend.
Portulak gibt es als gezüchtete Version zu kaufen und er gilt als gesundes Gemüse. Aber, wenn er sich wild geradezu aufdrängt, können wir ihn natürlich auch kostenfrei und superfrisch ernten. Wichtig ist (wie immer), ihn sicher zu erkennen! Von Juni bis September erfreut uns dieses niederliegende Pflänzchen – mit häufig rot überlaufenen Stängeln und seinen fleischigen Blättern – mit hübschen gelben Blüten. Auch diese können in der Küche verwendet werden und sogar die kleinen nussigen Samen können (getrocknet) im Winter als Keimsaat die Küche bereichern.

 

Breitwegerich: Er ist sehr häufig auf Wegen zu finden und kann – wenn die Füße vom Pflastertreten wund geworden sind und sich Blasen zeigen – gleich als Blasenpflaster gute Dienste leisten. Mit seinen großen Blättern ist er ein perfektes Pflaster zur Erstversorgung, die außerdem antibakteriell, entzündungshemmend und blutstillend wirken. Wie praktisch…

Aber auch in der Küche können die großen Blätter des Breitwegerichs Verwendung finden. Sie eignen sich zum Beispiel als Blattroulade (statt Alufolie) zum Grillen. Quer zur Faser geschnitten können sie ebenso in Salat- oder Gemüsegerichte gegeben werden. Auch diese Blätter enthalten wertvolle Inhaltsstoffe wie Mineralien (vor allem Kalium und Zink), Vitamine B und C, Schleimstoffe, Saponine und andere.

 

 

Vogelknöterich: Auch dieser „Pflastertreter“ punktet mit wertvollen Inhaltsstoffen wie z.B. Kieselsäure, Flavonoiden, Mineralien, Gerbstoffen sowie Schleim- und Bitterstoffen. In früheren Zeiten war er eine durchaus geschätzte Pflanze – sowohl in der Volksheilkunde als auch in der Küche. In der Volksheilkunde lagen seine Anwendungsgebiete unter anderem bei entzündlichen Erkrankungen der Luftwege, da er auswurffördernd wirkt, als auch bei Magen- und Darmbeschwerden. Hier war er besonders mit seinen Bitter- und Gerbstoffen hilfreich. Besser ist es natürlich, gesund zu bleiben – wobei uns dieses unscheinbare Pflänzchen hilft und ganz einfach als Küchenkraut genutzt werden kann. Dafür werden die Blätter von den Stielen abgestreift, da die Stiele sehr fest sind. Die Blätter bereichern Salate, Kräuterdips, Suppen, Spinat, Bratlinge, Gemüsegerichte und Saucen. Außerdem eignen sie sich gut für Vitalgetränke und als Tee.

 

Vielleich hast Du Lust auf solches „Pflastergrün“ bekommen? Wie wäre es mit „essen statt jäten“? Ich freue mich jedenfalls immer, wenn ich diese robusten und widerstandsfähigen Pflanzen auf meinen Wegen entdecke und nutze sie gern von geeigneten Stellen.